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Marion Gräfin Dönhoffs Ostpreussen in Herbstfarben

Hanfried Wendland hat einen frühen Text von Marion Gräfin Dönhoff (1909 - 2002) mit Linolschnitten illustriert. Im Oktober 1941 unternahm die 21-jährige Dönhoff zusammen mit ihrer Cousine Karin von Lehndorff, genannt Sissy, einen fünftägigen Ritte durch Masuren, von Allenstein über Nikolaiken nach Steinort. Der Bericht darüber ist an ihren Bruder Dietrich gerichtet, der sich im Kriegsdienst befand. "Herr Gott, wie schön diese Welt ist - sein könnte," ruft sie aus. "Grosse Zärtlichkeit" empfindet sie für dieses riesige, fast menschenleere Land mit seinen Wäldern und Seen. Gelegentlich sieht sie Soldaten, die Richtung Osten fahren. Sie weiss, dass die Schrecken des Krieges dieses tl_files/galeriejoy/buchabbildungen/Wendland, Masurische Birken.jpgLand nicht verschonen werden. Auf diese Weise nahm sie Abschied von ihrer Heimat, die sie bereits als verloren ansah.

Wie immer, sind die Bilder Hanfried Wendlands nahe am Text. In klarer Farbgebung zeigen sie die Weite der Landschaft mit Wäldern und Seen sowie die Farben des Herbstes.

Dönhoff, Marion Gräfin und Hanfried Wendland: Ritt durch Masuren, aufgeschrieben 1941 für meinen Bruder Dietrich. Berlin, NeueKleiderDrucke, 2011. 52 nn. S. Mit 4 blattgrossen und 6 doppelblattgrossen Farblinolschnitten von Hanfried Wendland sowie 2 Linolschnitten im Text. Fol., HLeder VDeckel mit bedrucktem Büttenüberzug, bedruckte Vorsätze mit einer Karte der Masuren (Ortsangaben auf polnisch und deutsch). 1250.- €

33. Druck der NeueKleiderDrucke. Eines von acht Exemplaren der Vorzugsausgaben (GA 22). - Druckvermerk und bis auf das Frontispiz alle blattgr. und doppelblattgr. Farblinolschnitte von Hanfried Wendland signiert. - Satz in 16 p magerer Garamond-Antiqua, gedruckt auf 140 g Werkdruckpapier, Druck auf der Andante Handpresse von Peter Rensch, handgebunden von Christian Klünder. - Beigegeben: HLedermappe mit der Extrasuite der Linolschnitte sowie zwei zusätzlichen Farblinolschnitten, sämtlich signiert und num. - Buch und Mappe in bedrucktem Schuber (40 x 56 cm).

Ewig blauer Himmel in Arkadien

Vermutlich im 3. Jahrhundert auf Lesbos verfasst, erzählt Longus die Geschichte zweier Hirtenkinder, die getrennt werden, sich wieder finden, um dann glücklich in Liebe miteinander zu leben. Jacques Amyot, der spätere Erzbischof von Auxerre, übersetzte 1559 diesen bukolischen Roman ins Französische. Und Goethe empfiehlt, die Geschichte der unschuldigen Hirtenkinder alle Jahre einmal zu lesen: „die herrliche Landschaft, immer der blaueste Himmel, die anmutigste Luft und keine Spur von trüben Tagen! Wenn auch viel von Hirten aller Art, Feldarbeiten, Gärtnern und Winzern erzählt wird, so ist ihr Tun doch nie als harte Arbeit geschildert, sondern als eine Beschäftigung, die sich in die umgebende Natur einfügt.“ Mensch und Natur stehen im Einklang, kein schlechtes Gewissen trübt die Sinnenfreunde. 

Für seine Skulpturen galt Aristide Maillol (1861-1944) die Antike als Vorbild. Auch seine Holzschnitte sind eine Annäherung an die griechische Klassik. Einfache Linien und Konturen, der Verzicht auf Details und individuelle Züge sind charakteristisch. Anders als sein Antipode Rodin ist er auf Harmonie bedacht, seine Figuren strahlen Ruhe aus. 

Longus und Aristide Maillol: Les Pastorales de Longus ou Daphnis et Chloe. Version d'Amyot, revue et completee par P. L. Courier. Paris, Gonin, 1937. 3 nn. Bl., 217 S., 4 nn. Bll. Mit 49 (1 davon auf dem Umschlag) Holzschnitten von Aristide Maillol. 8°, lose Lagen in illustr. OUmschlag in HPergament-Decke und -Schuber. 2.000,- €

Druckvermerk vom Künstler signiert. Eines der röm. num., nicht für den Verkauf bestimmten Exemplare.  Guérin 76 ff. - Skira 216. - Monod 7261. - Rauch 141. - Maillol-Kat. Baden-Bden 1978, Nr. 161. - Artist and the book 174. - Garvey/Wick 22. - Mornand 22, S. 304. - Strachan S. 337. - "It is perhaps the most harmonious of Maillol's illustrated books." (E. Garvey) - Dreiseitig unbeschnittenes frisches Exempar.

Grieshabers Osterritt in die Vergangenheit

Pferdchen Sweina frisst die ersten Tulpen des Klosters

Man kennt den kämpferischen Grieshaber. Als Künstler jedoch hat er sich die unverstellte, unverdorbene Sicht eines Kindes bewahrt. Der Bericht und die Bilder führen an manchen Stellen zu einer herzerfrischenden Komik, die dem „vieux“, dem es gleich war, was andere über ihn dachten, sicher gut gefallen hat. Eine alte Sehnsucht wollte er verwirklichen: „einmal wollte er sein heutiges Leben auf de Achalm mit seiner frühen Kindheit in Oberschwaben verknüpfen, die Heimat … mit seinen heutigen Augen wiedersehen.“ Ganz unzeitgemäss sattelt er am Ostersonntag 1963 sein Islandpony Sweina und reitet von der Achalm bei Reutlingen bis zu seinem Geburtsort Rot an der Rot. Im Franziskanerinnenkloster Siessen bei Saulgau geniessen er und Sweina die Gastfreundschaft. Grieshaber revanchiert sich mit Unterricht im künstlerischen Sehen für die Schwestern und ihre Schülerinnen. Die Welt ist motorisiert, und wo er und sein Pferdchen auch hinkommen, erregen sie Aufsehen. Jeden Abend gibt es die Schwierigkeit, einen Stall und einen Eimer Wasser für das Tier zu finden, die Kinder halten ihn für einen Zigeuner. Die autogewohnten Bauern lassen sich zum Probereiten verleiten. Auch auf dieser ungewöhnlichen Reise erkennt er sich in der Figur des Don Quichotte wieder. 

Grieshaber, HAP: Osterritt. Köln, Der Spiegel, 1964. Umschlag, 44 nn. Doppelbögen. Blatt mit Druckfehlerberichtigung. Mit 37 (davon 22 mehrfarb.) Holzschnitten inkl. Umschlag. 4°, lose Bogen in OPapp-Kassette. 4800,00 €

Nr. 138 von 150 Exemplaren (GA 500) Exemplaren der Vorzugsausgabe. Druckvermerk von Grieshaber sign. - Dazu: Kassette mit der seltenen Extrasuite der 5 grossen sign. Holzschnitte (jeweils Nr. 138/150, Papierformat 50 x 70 cm). Enthalten sind die breitrandigen Blätter: Sweina, Der Ritt, Ostermesse, Barock, Ritt (Fürst 64/59, 60, 70, 79 und 85). Die rote Pappkassette für die Suite ist mit dem Sternenreiter (vgl. Fürst 64/92) in Schwarz bedruckt.. - Ebenfalls beiliegend: rote Kartonmappe, mit einem Holzschnitt auf der Innenseite des Hinterdeckels und einem eingelegten Doppelblatt mit einem Holzschnitt. die Mappe wurde vom Verlag als Werbegabe abgegeben. Aus der Sammlung von Isolde Schöttle aus Backnang, die das Werk von Grieshaber als Geschkenk erhalten hatten. Auf der Vorderseite der roten Kartonmappe schreibt er ihr: "... Draussen in der Welt ist kälter. Aber Böll hat für fen Katalog bei Stünke einen guten Text geschrieben. Am 10.4. bekommen sie ihn. Das ist bald. Hoffentlich geht es mir dann besser. Ich habe einen Zahnarzt im Kopf sitzen. Die Hypertrophie des Vergänglichen dient nicht der Sache. Einr Sache, der Ihr vieux von einem Jahr noch besser gedient hat. ... Bur die Tiere fordern mehr. Sie müssen bedient werden! Zoologen sind doch bessere Christen ... (31.III.1964". - Die Kassetten mit leichten Schabspuren, eine Kante der Buchkassette bestossen, der Kartonumschlag mit dem Autographen knitterfaltig..

tl_files/galeriejoy/buchabbildungen/Osterritt Umschlag.jpgtl_files/galeriejoy/buchabbildungen/Osterritt Liturgie.jpg

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