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Antiquariatsmesse in Stuttgart

Vom 27. bis 29. Januar findet im Württembergischen Kunstverein am Stuttgarten Schlossplatz die 56. Verkaufsmesse des Verbandes Deutscher Antiquare statt. Sie finden uns dort - zusammen mit 71 weiteren Ausstellern. Gerne senden wir Ihnen eine Freikarte zu - so lange der Vorrat recht - und/oder unsere Messeliste.

 

40 Künstlerbücher in 30 Jahren

Insgesamt 150 Abbildungen und kurze einführende Texte zu jedem der 40 Künstlerbücher dokumentieren das Schaffen Handfried Wendlands aus den letzten 30 Jahren. Hervorragend gestaltet von Peter Rensch, wird jedes Werk auf einer Doppelseite präsentiert. Eine Einführung und ein Interview mit dem Künstler bieten eine Annäherung an Person und Werk.

Wir retten ... den Fussball

Dirk Rasch: Rettet den Fussball! Zwischen Tradition, Kommerz und Randale. Göttingen, Verlag Die Werkstatt 2014, 254 S., € 16,90.

Noch ein Imperativ. Wir retten Banken, Währungen, Staaten, die Kultur, die Bücher und Buchhandlungen, die Ladengeschäfte usw., und jetzt die einstmals schönste Nebensache der Welt. Wir retten keine Menschen mit angsterfüllten oder schmerzverzerrten Gesichtern. Vielmehr weisen alle diese Rettungsaufforderungen auf einen Zustand, als es noch authentisch zuging. Im Fussball waren dies einmal Vereinstreue, Kampfeswille, Kameradschaft, auch Ehrlichkeit. Der Zuschauer, auf alten Fotos in Anzug und Krawatte auf den Stehplätzen, sollte sehen, so wie ich tagtäglich mein Bestes geben, macht ihr das 90 Minuten lang auf dem Rasen. 

Dirk Rasch ist jedoch alles andere als naiv. Er ruft nicht nach den elf Freunden. Er kommt aus dem Profifussball und weiss, dass ein Verein professionell und mit ausreichender Kapitalausstattung gemanagt werden muss. Die Diagnose ist klar: Korruption sowie die Gier von Funktionären und Beratern, Gewalt in und vor den Stadien, Rassismus, Spielersöldner mit exorbitanter Bezahlung, in jeder Liga dominieren wenige oder sogar nur eine Mannschaft u. ä. m. vergrätzen die Fans, und ein Sportverein lebt mit und durch Fans, die ihn unterstützen und tragen. Ohne Fans ist ein Spiel eine seelenlose, vom Geld dominierte Veranstaltung, die nicht zur Identifikation taugt. Die Ursache dafür liegt in den ständig steigenden Vergütungen für die Fernsehübertragungsrechte: Ein Euro mehr vom Fernsehen erhöht die Bezahlung der Spitzenspieler um 1,20 Euro, was Kommerz und Begehrlichkeiten anheizt und den Fussball weiter von den normal arbeitenden Menschen entfernt. 

Das Buch von Dirk Rasch ist ein Lesegenuss. Es ist gut recherchiert, der Verfasser kennt die Ligen in England, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland, und er versteht etwas von Betriebswirtschaft, Statistik und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Es lebt jedoch von den stets sachlich und kurzweilig geschilderten persönlichen Erfahrungen und Begegnungen im Profifussball. Diese zeigen die ganze Leidenschaft des Autors. 

Sein eigenes Leben im Fussball bezeichnet Dirk Rasch als Achterbahn. Er meint damit die Aufstiege und die Abstiege und das, was dazwischen lag. Fasst man seine Analyse zusammen, ist es eher eine schiefe Ebene, an deren Ende der kommerzgetriebene Spitzenfussball implodiert, weil keiner mehr hingeht. Vielleicht ist ja schon 2022 in Katar so weit. Es wäre dem Sport zu wünschen. 

Als jemand, der seit Jahrzehnten vom Spiel der 22 Akteure mit einem Lederball fasziniert ist, kann Dirk Rasch den Fussball natürlich nicht zu Grabe tragen. Das hiesse auch, dessen Lebenskraft zu unterschätzen. Dirk Rasch möchte den Wettbewerb stärken, indem die Vereine einer Liga gleichmässig von den Fernsehgeldern profitieren, er möchte die Spielergehälter und die Gehaltssummen deckeln und den Einfluss von Oligarchen, die sich einen Verein als Spielzeug halten, begrenzen. 

Man muss wohl ein ausgesprochener Optimist sein, um an die Wirkung solcher Reformvorschläge glauben zu können. Als Realisten werden wir davon ausgehen müssen, dass das zerstörerische Prinzip der Kapitalmaximierung unaufhaltsam fortschreitet. 

Das faszinierte an Dirk Raschs Buch ist, dass man es in Analogie zu anderen Lebensbereichen sehen kann. Nehmen wir die Kunst: Wenn auf einer Auktion ein Kunstwerk für Hunderte von Millionen von einem Oligarchen, der in ersten Linie an dem berühmten Namen interessiert ist, und der vielleicht von Kunst und Künstler nichts weiss, gekauft wird, dann denken wir, das ist nicht unsere Sphäre, und wir wissen, sobald die Mode wechselt oder die Blase platzt, schrumpfen die gezahlten Millionen. Und trotzdem gehen unzähligen Menschen in Ausstellungen, erfreuen und stärken sich an Kunst, malen selbst oder was auch immer.

Gemeinschaftskatalog der Antiquare 2014

Gart der gesuntheit. Zu latein/ Hortus Sanitatis. Sagt in vier Bücheren wie hernach volget. Von thiere(n) Im ersten. Vierfüssigen und Krichenden Im Anderen. Vöglen und den Fliegenden Im Dritten. Vischen und Schwimmenden Im Vierden. Dem Edlen Gesteyn und allem so in den Aderen der erden wachsen ist. Daraus durch die natürlichen Meister gezogen/ wz dem Meneschen zu seiner gesuntheit dienstlich ist/ alles mit höchste fleiß durchlesen/ corrigiert un(d) gebessert.  Strassburg, M. Apiarius, 1536. 5 nn. Bll., CXLI S., 1 nn. Bl. Titel in Rot u. Schwarz mit prächtiger Holzschnitt-Bordüre u. mehr als 530 teilw. wiederholten Textholzschnitten, sowie Holzschnitt-Druckermarke am Schluss. 4°, späterer Pergamentband im Stil der Zeit unter Verwendung alten Materials.      € 20000.- 

Treitzsaurwein, Marx: Der Weiss Kunig. Eine Erzehlung von den Thaten Kaiser Maximilian des Ersten. Herausgegeben aus dem Manuscripte der k. k. Hofbibliothek. Wien, Kurzböck, 1775. 8 Bll., 307 S., 237 Holzschnitt-Tafeln von Hans Burgkmair, Hans Schäufelein, Hans Springinklee und Leonhard Beck. Fol., engl. Lederband um 1800 auf 6 Bünden mit RVergoldung, die Deckel mit blindgepr. Karomuster (diced russia), goldgepr. Aussen-, Steh- und Innenkantenbordüren, marmor. Schnitt, marm. Vorsätze. € 10000.- 

Weis, Johann Martin: Reprèsentation des fêtes données par la ville de Strasbourg pour la convalescence du roi; à l'arrivée et pendent le séjour de Sa Majesté en cette ville. Paris, Aubert, s. d. [1745]. Gest. Titel mit Bordüre, gest. Porträt von J. G. Will nach C. Parrocel und J. Chevalier sowie 11 doppelblattgr. Kupfertafeln, meist von J. Ph. Le Bas nach J. M. Weis, 20 gest. Textseiten mit wechselnden Bordüren und 2 grossen Vignetten. Imp.-Fol., Leder der Zeit mit goldgepr. Wappensupralibros Ludwigs XV. € 6800.- 

Picasso, Pablo und Max Jacob: Chronique des temps héroïques illustré de dessins gravés sur bois et de lithographies et pointes-sèches originales par Pablo Picasso. Paris, Louis Broder, 1956. 126 S., 4 Bll., 2 Bll. (Prospekt des Buches), 2 farb. lithogr. Bll. (Illustr. des Schubers), 2 w. Bll. - Mit 1 Originallithographie als Frontispiz, 3 Original-Radierungen, 24 Textholzschnitten und farb. Umschlaglithographien von Pablo Picasso. Gr.-8°, lose Lagen in illustr. OKarton im illustr. Pappschuber.   € 4600.- 

Grieshaber, HAP: Osterritt. Köln, Der Spiegel, 1964. Umschlag, 44 nn. Doppelbögen. Blatt mit Druckfehlerberichtigung. Mit 37 (davon 22 mehrfarb.) Holzschnitten inkl. Umschlag auf verschiedenen Papieren (so vollständig). 4°, lose Bogen in OPapp-Kassette.            € 4800.- 

Kotschy, Theodor: Reise in den cilicischen Taurus über Tarsus. Mit Vorwort von Professor Dr. Carl Ritter.  Gotha, Justus Perthes, 1858. X, 443 S. Mit getöntem lithographierten Frontispiz (Ansicht des Bulghar Dagh), einem mehrfach gefalteten lithographierten Höhentableau des cilicischen Taurus und einer lithographierten Faltkarte (Bulghar Dagh).  8°, Ppbd. mit handschriftl. RSchild.             € 1200.- 

Euting, Julius: Tagebuch einer Reise in Inner-Arabien. 2 Teile in einem Band. Leiden, E. J. Brill, 1896, 1914. VIII, 251, 9 nn. S. / XIII, 303, 2 S., zahlr. Textabb. , Tafeln und Karten Gr.-8°, HLeder der Zeit.         € 1200.- 

Sverdrup, Otto: New Land. Four years in the Arctic Regions. Translated from the Norwegian by Ethel Harriet Hearn. 2 Bände. London, New York and Bombay, Longmans, Green, and Co., 1904. XVI, 496 S. mit Porträt Frontispiz, 31 Tafeln mit meist photogr. Abb., 80 meist photogr. Abb. im Text, 3 Karten im Text; XII, 504 S. mit Frontispiz, 29 Tafeln mit meist photogr. Abb., 78 meist photogr. Abb. im Text, 5 Karten, davon 3 gefalt. in Rückentasche. Gr.-8°, blaues Leinen mit RTitel und silbern geprägter Deckelvignette.   € 1200.- 

Kotzebue, Otto von: Neue Reise um die Welt, in den Jahren 1823, 24, 25 und 26. Erste dt. Ausgabe. 2 Bände. Weimar und S. Petersburg, Wilhelm Hoffmann und J. Brief, 1830. Titel, XXII S. (Subskribentenverzeichnis), 1 Bl., 192 S. / Titel, 177 S., 34 S. (Anhang). Mit 2 gestoch. Frontisp., 2 gefalt. Kupferstichkarten und 1 gefalt. Kupferstichplan. 8°, neuere HLederbände im Stil der Zeit mit rotem RSchild und marm. Deckelbezügen.            € 2000.- 

Heine, Wilhelm: Die Expedition in die Seen von China, Japan und Ochotsk unter Commando von Commodore Colin Ringgold und Commodore John Rodgers, im Auftrage der Regierung der Vereinigten Staaten unternommen in den Jahren 1853 bis 1856, unter Zuziehung der offiziellen Autoritäten und Quellen. Erster Band und zweiter Band, zugleich Fortsetzung der Reise um die Erde nach Japan. - 2 Bände in einem. - Dritter oder Supplement-Band. Leipzig, Hermann Costenoble (Band 1) - Leipzig, Otto Purfürst (Bände 2 und 3), 1858. XX, 330 S., 10 Holzschnitttafeln, 2 Faltkarten / VIII, 391 S., 10 Holzschnitttafeln und 1 Faltkarte / VII, 424 S., 12 Holzschnitttafeln, 3 Faltkarten (diese als Photokopien eingebunden). Gr.-8°, rotes Leinen mit Goldprägung, Band 3 abweichend gebunden: HLeder Zeit mit goldgepr. RTitel.      € 1500.- 

Ghega, Carl von: Atlas zu der Uibersicht der Hauptfortschritte des Eisenbahnwesens in dem Jahrzehnde 1840-1850 und die Ergebnisse der Probefahrten auf einer Strecke der Staatsbahn uiber den Semmering in Oesterreich. Wien, Rauh, 1851. Lithogr. Titel, gefalt. lithogr. Karte mit Profil, 5 getönte lithogr. Tafeln und 2 gestochene Konstruktionstafeln. Quer-Fol., Broschur der Zeit.             € 1380.- 

Andreae, Johann Gerhard Reinard: Briefe aus der Schweiz nach Hannover geschrieben, in dem Jare 1763. Zweiter Abdruk. Zürich und Winterthur, Johann Casper Füssli Sohn, 1776. XII, 245 (3) S.Mit gestochener Schweizerkarte auf der Titelseite, 18 Kupfertafeln (davon 3 gefaltet, einige von Joh. Rod. Schellenberg signiert) sowie 10 Kupferstichen im Text. 4°, goldgepr. HLederband mit rotem Rückenschild.         € 4000.-

 

Officina Bodoni

Mardersteig, Martino: Die auf der Handpresse der Officina Bodoni gedruckten Bücher 1978 - 2004 : Ergänzung zu Giovanni Mardersteig Die Officina Bodoni 1923 - 1977. Einl. von Wulf D. v. Lucius. Hamburg : Maximilian-Ges., 2013. 61 S. mit Abb.,  30 cm, Broschur. 40,00 € 

Sieht Walter Benjamins Engel der Geschichte in der Vergangenheit eine Anhäufung von Trümmern, so wird der Bücherliebhaber dies häufig von der Gegenwart meinen und mit Wehmut die buchgestalterischen Leistungen vergangener Zeiten betrachten. Dazu passt die Bemerkung, mit der Wulf D. v. Lucius sein kenntnisreiches Vorwort abschliesst: „Wenn es etwas gibt, das unsere Zeit im beginnenden 21. Jahrhundert nicht hat oder nicht aufzubringen bereit ist, dann ist es die Fähigkeit und der Wille zu Kontemplation. Gerade diese aber ist die innere Basis für das Erfahren jener Subtilität der buchkünstlerischen Gestaltung, wie sie die Drucke der Officina Bodoni auszeichnet (…) – Bücher von stiller Kraft und materialer Vollkommenheit, die zum Besten gehören, was in der Epoche der Handpressen entstanden ist.“ 

Auf vorbildliche Weise beschrieben werden die 49 Drucke, die Martino Mardersteig nach dem Tod seines Vater in den Jahren von 1978 bis 2004 herausbrachte. Der vorliegende Band ist damit die Fortsetzung des des1977, ebenfalls von der Maximilian-Gesellschaft publizierten Werkverzeichnisses der Drucke Giovanni Mardersteiges für den Zeitraum von 1923 bis 1977. Es waren dies 198 Drucke in 55 Jahren. 

Im Nachwort schildert Giovanni Mardersteig das Ende der Officina Bodoni nach 85 Jahren buchgestalterischer Meisterleistungen: Sei 1951 finanzierte sich die Handpresse zu einem Gutteil durch den Druck von Universitätsdiplomen. Das Ende ist so banal wie brutal und führt in die Trümmer der Gegenwart: Die Regierung kürzte die Mittel für die Universitäten, und diese liessen dann keine Diplome mehr auf der Handpresse drucken. „85 Prozent unserer Einnahmen fielen fast von einem Tag auf den anderen weg.“ 

Martino Mardersteig führt noch andere Gründe an: Die Schwierigkeit, einen Handdrucker und –setzer zu finden, die Beschaffung von handgeschöpftem Papier und von Pergament, und sicher spielt auch das eigene Lebensalter und das seiner Frau eine Rolle, das vor allzu grossen Abenteuern zurückschrecken lässt. 

Es bleiben uns die Bücher der Officina Bodoni. Auf der Suche nach der vollendeten Schrift bildet jedes von ihnen in der Synthese mit Papier, Einband und vor allem dem Text eine harmonische Einheit.

Sommerfugledalen. Das Schmetterlingstal. - Ein Malerbuch von Hanfried Wendland.

Hanfried Wendland 2013 auf der Mainzer Minipressenmesse

Inger Christensen - Hanfried Wendland. Das Schmetterlingstal. Sommerfugledalen. Berlin, NeueKleider Drucke (35. Buch), 2013, 68 S. auf 250 g Alt-Mainz-Bütten, Format 44 x 39 cm, HLeder (handgebunden von Christian Klünder, Berlin) mit aquarellierten Deckeln, im Pappschuber.  Die 15 Bilder (Aquarell, Gouache) sowie das Kolophon von Wendland signiert. Auflage: 5 Exemplare und ein Künstlerexemplar. Jedes Exemplar ist individuell gestaltet und damit Unikat. Preis: € 1'700.-.

Das Poem besteht aus 15 Sonetten. Der letzte Vers eines Sonetts bildet den ersten des folgenden, und das letzte Sonett setzt sich aus den Anfangsversen der vorhergehenden 14 zusammen. Wenn man vom Inhalt sprechen will: Es ist der Wunsch nach einem naturhaft normalen Verständnis vom eigenen Tod. Ein Leben, "das nicht wie nichts stirbt", ist Täuschung. Die Hoffnung ist, dem Tod wie ein Abbild "des ewigen Sommers", d. h. aus einem erfüllten Leben heraus, begegnen zu können.

Nicht sie schriebe, "sondern die Sprache selber", sagt Inger Christensen (1935-2009) über ihre Arbeit. Sie meint damit, als Person hinter dem sprachlichen Kunstwerk zurückzutreten. Ihre Gedicht sind höchst artifiziell durchkomponiert und alles andere als spontan entstanden. 

Die gilt auch für die Malereien von Hanfried Wendland. Er erarbeitet sich das Gedicht. Die Übertragung von Hanns Groessel kann die Rhythmik und die kunstvollen Reime nicht wiedergeben. Die faszinierende Bilderwelt wird durch den Klang der Originalsprache potenziert. Aus diesem Grund schreibt Wendland auf 15 Seiten die 15 dänischen Strophen in einer schönen gleichmässigen Handschrift. Die Zeilen werden belebt durch collagierte Schmetterlinge, Initialen sowie einen Untergrund aus unregelmässigen, farbigen Tuschpunkten. Auf dem darauffolgenden Doppelblatt steht, ebenfalls wieder handschriftlich, auf der linken Seite die deutsche Übertragung, auf der gegenüberliegenden rechten Seite die Interpretation von Wendland im Format 32 X 30 cm.

Wie in all seinen Arbeiten sind die Illustrationen von Hanfried Wendland auch hier eng am Text orientiert. In der ersten Strophe sind es die Schmetterlinge in den Farben Zinnober, Ocker, Gold und Phosphorgelb vor einem blauen, leicht bewölkten Himmel. Die Nachtfalter und die Kohlweisslinge, die sich in die Nacht verirrt haben, erscheinen auf dem dritten Bild. Eindrucksvoll das zwölfte Bild: Den Tod wie mit eigenen Augen sehen. Oder das darauf folgende Bild: Die Dichterin spielt Schmetterling dem Tod gegenüber. Dann die Strophe 14: "Blicke dich vom Schmettelingsflügel aus an." Und das letzte Bild: Die Schmetterlinge steigen auf "und gaukeln den Toren des Universums ein Leben vor, das nicht wie nichts stirbt."

Dürre Wort können weder die Assoziationen und Bilder von Inger Christensen noch die Ausdruckskraft von Hanfried Wendland beschreiben. Deshalb untenstehend die 15 Strophen mit den 15 Bildern.

 

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Kein Märchenbuch!

Ralph Schippan: Zeit, diese Märchen festzuhalten. Über Erstausgaben der deutschen Literatur im Kontext zur Entstehungsgeschichte der Kinder- und Hausmärchen von Jacob und Wilhelm Grimm. Düsseldorf, Puntillo Verlag, 2013,  76 S.

Aus der Bildenden Kunst kennt man es seit langem: Ein Werk wird in den historischen und auch biographischen Kontext seiner Entstehung gestellt. Zunehmend greift dieser Ansatz auf die Buchgeschichte über. Bücher als Marksteine der Literatur- und Geistesgeschichte. Das ist nicht nur bedrucktes Papier zwischen zwei mehr oder weniger ansehnlichen Buchdeckeln. Es ist zwar banal, festzustellen, dass Bücher ihre Entstehungsgeschichte und ihre Schicksale haben. Für das Sammeln von Büchern kann diese Vorgehensweise aber nicht hoch genug eingeschätzt werden. 

Der Verfasser schöpft aus einer seit drei Generationen aufgebauter Sammlung wertvoller Ausgaben. Der Fachwissenschaftler mag einwenden, dass zur Geschichte der Romantik wenig Neues zutage tritt. Das mindert jedoch den Wert dieses anschaulich und kurzweilig geschriebenen Büchleins nicht. Die Gebrüder Grimm waren keine Märchenonkel, sondern Forscher, die, zusammen mit ihren Gesinnungsfreunden, zusammen zu tragen versuchten, was eine nationale Identität in Abgrenzung zur deutschen Kleinstaaterei und zur napoleonischen Besatzung begründen sollte. In den – auch abgebildeten - Büchern manifestieren sich diese Bestrebungen. Nach der Lektüre wird man an den frühen Ausgaben von Herder, Tieck, Arnim, Brentano und natürlich der Grimms nicht mehr achtlos vorbeigehen. Bibliophilie ist nämlich nicht nur die Liebe zum äusserlich schönen Buch. Es ist eine Geisteshaltung, die Vergangenes sich aneignen und bewahren möchte. Den Büchern mit ihrer Patina und ihren Gebrauchsspuren verdanken wir es, dass Vergangenheit anschaulich und nicht nur Theorie ist.

Jan Peter van Opheusden: Farben zaubern Lebensfreude

Jan Peter van Opheusden, geboren 1941 in Eindhoven, wo er noch heute lebt, gehört zu den gesuchtesten Künstlern der Gegenwart. Grosse Ausstellungen in Los Angeles, Paris und Peking schufen seinen Ruhm. Seine Sujets entstammen niederländischer Tradition: Stilleben, Porträts, Landschaften. Jedes Bild ist ein Kosmos, der Harmonie und Sinnlichkeit ausstrahlt. Was ihn jedoch von den Altermeistern unterscheidet, ist der expressive Gebrauch der Farben. Farbe und Bewegung stehen bei Opheusden im Dienst einer erhabenen Gelassenheit. Seine Bilder sind nie beunruhigend. Sie sind damit Wunschträume gegenüber der alltäglichen Welt, die uns umgibt. "Ich male, um mich gut dabei zu fühlen," sagt Opheusden. Mehr Informationen und Kontakt unter www.jpvanopheusden.nl

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Baci aus Perugia - kurzweilig zu lesen

Marlies Burget: Baci aus Perugia. Alltagsgeschichten aus Umbrien. Mit Zeichnungen von Rainer Ilg. Hildesheim, Georg Olms Verlag, 2013, 127 S.

Zwei Themen hat das Buch. Einmal Umbrien, das grüne Herz Italiens, das den Touristen, die es vorziehen, in der kommerzialisierten Toskana zu bleiben, weitgehend unbekannt ist. Doch schon in der Vergangenheit galt das heutige Umbrien nur als Verbindungsweg zwischen Florenz und Rom. Goethe bestaunt den Wasserfall bei Terni und den Tempel der Minerva in Assisi, und das ist alles. Und das, wo schon im Mittelalter zahlreiche junge Deutsche nach Perugia zum Studium der Jurisprudenz zogen, und viele heute dort Italienischkurse besuchen.

Das Buch beschäftigt sich weder mit der Kunstgeschichte noch mit umbrischer Mystik. Und das ist das zweite Thema des Buches: Aus Gründen, die wir nicht erfahren, verlegt eine Frau aus Süddeutschland ihren Wohnsitz nach Perugia. Sie findet Arbeit und vor allem Freunde. Sie ist damit Teil eines Kosmos, der durch freundschafliche und familiäre Beziehungen strukturiert ist. Durch jede Zeile atmet der Stolz, dies geschafft zu haben, und autobiographische Wehwehchen sucht man vergebens.

Und da sie dazu gehört, was für Ausländer auch heute noch alles andere als selbstverständlich ist, kann sie von der Mentalität der Bewohner erzählen. Dies gelingt ihr, indem sie die Feste im Ablauf des Jahres schildert. Diese strukturieren das Leben, in ihrem Erleben verdichtet sich die Mentalität, und auch wer meint, Italien zu kennen, wir das eine oder andere Aha-Erlebnis bekommen. Vor allem die Lebenslust wird angesprochen, denn bei den Festen steht das – notabene gute – Essen und Trinken im Vordergrund.

Das Buch ist frisch und schnörkellos geschrieben. Es ist wunderbar illustriert mit Zeichnungen des Leipziger Architekten Rainer Ilg. Auf der letzten Seite angelangt, wünscht man sich eine Fortsetzung; eine, die auch etwas davon erzählt, wie die Schattenseiten im heutigen Italien die Menschen einengen und bedrücken.

Bücherfreunde sind in der Maximilian-Gesellschaft

Bereits 1911 schlossen sich Bücherfreunde zur Maximilian-Gesellschaft zusammen. 'Maximilian' in Erinnerung an Kaiser Maximilian, der sich auch als Liebhaber schöner Bücher und als Förderer der Wissenschaften einen Namen machte.

Wie in jedem Verein kostet die Mitgliedschaft einen bescheidenen Beitrag. Aber dafür gibt es: 

  • Mindestens einmal jährlich eine Buchpublikation der Gesellschaft, in der Regel ein bilbiophiler Druck mit Originalgraphik oder ein buchgeschichtlich wichtges Werk; bereits über 120 Bücher hat die Gesellschaft veröffentlich, die nicht in den Buchhandel gelangen und oft hohen Sammlerwert geniessen.
  • Die fünftmal jährlich erscheindende Zeitschrift "Aus dem Antiquariat, Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler."
  • Eine jährliche Mitgliederversammlung mit interessantem Programm und der Möglichkeit zum Kennenlernen und zum Austausch.

Weitere Informationen und eine Kontaktadresse für die Erklärung der Mitgliedschaft gibt es unter www.maximilian-gesellschaft.de

Jos van den Berg: Ferne Kulturen - in Farben gebannt

Jos van den Berg, 1948 im niederländischen Apeldoorn geboren, steht in der Tradition der farben- und lebensfrohen Malerei, die mit der Gruppe COBRA international berühmt und mittlerweile klassisch geworden ist. Er begreift sich selbst als Autodidakt. Man akzeptiert dies, wenn man weiss, dass Jos ein erfolgreicher Unternehmer, der mit beiden Beinen im Leben steht, und ein grosser Kommunikator ist, so dass die Malerei nur eine Facette seiner faszinierenden Persönlichkeit darstellt.  

Seine kräftigen Pinselstriche mit dem kräftigen Gebrauch von Rot, Gelb und Gold verweisen auf den Fernen Osten. Seit einigen Jahren bereist Jos ausgiebig die indonesische Inselwelt. Die verschiederartigen Kulturen auf Sumatra, Bali, Java, Papua und anderen der 15000 Inseln des indonesischen Archipels faszinieren ihn. Er bringt diese Kulturen nach Hause. Einmal in Gestalt einer riesigen und einmaligen Sammlung indigener Kunst- und Gebrauchs­gegenstände, die so vor dem Untergang gerettet werden.

Auch wenn es in seinen Bildern manchmal figürliche Anhaltspunkte gibt, geht es Jos van den Berg nie um die detailgetreue Darstellung dessen, was man sieht. Es geht vielmehr um die expressive Darstellung dessen, was man erlebt, was er erlebt hat. Seiner Spontaneität lässt er dabei freien Lauf, was jedoch nicht über den sorgfältigen und handwerklich soliden Bildaufbau täuschen darf. 

Jos van den Berg gibt selbst eine Erklärung seiner Kunst. Nach einer seiner Reise, die eher als Expeditionen zu bezeichnen sind, sagte er: "Erst jetzt gelingt es mir, die grausame Härte der Region auf die Leinwand zu bringen. Beim malen in meinen Atelier bin ich von Plastiken, Trommeln und Holzschnitzereien aus dem Gebiet umgeben. Es liegt mir aber nicht daran, diese Objekte schlicht nachzumalen. Es sind die Erinnerung an die gnadenlosen Schlammwüsten, die herabrollenden Wolken an den Flanken des Hochgebirges, den monotonen Singsang der Träger und die Zubereitung eines Schweins in einer Schmorgrube, die meinen Bildern zugrunde liegen. Diese unbarmherzige Unberührtheit war mein Inspirationsquell."  

Man versteht jetzt, dass nicht alle seine Bilder freundlich und einnehmend sind. Wie die Ureinwohner der Dschungel einmal gastfreundlich, ein andermal grausam dem Fremden gegenüber treten, so gebärdet sich die Natur dem Menschen gegenüber. Jos gestaltet diese beiden Pole, gibt ihnen einen farblichen Hintergrund und löst sie in den Farben auf. Zu weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten: www.josvandenberg.nl

 

Antiquariatsmessen im Frühjahr 2013

Im März 2013 stellen wir auf den Antiquariatsmessen in Colmar und in Leipzig aus. Wir freuen uns darauf, Sie kennenzulernen, Ihnen unsere Bücher zeigen und mehr über Ihre Interessen erfahren zu können

Hanfried Wendland: Der Tanz der Elefanten

         

Wie neue Kleider umschliessen die Holzschnitte den Text. Auch im 34. Neue Kleider Druck von Hanfried Wendland, hier einer Erzählung aus Rudyard Kiplings Dschungelbuch, umhüllen die Illustrationen, um  ungeahnte Perspektiven auf die Geschichte zu geben.
Die Erzählung "Toomai, der Liebling der Elefanten", führt in den indischen Dschungel. Toomai hat das Glück, den Tanz der Elefanten zu erleben, den vorher noch nie ein Mensch sah. "Die Wege der Elefanten sind mit dem Verstand der Menschen nicht zu begreifen." Der Mensch zähmt zwar die Elefanten und richtet sie zur Arbeit ab. Vollständig beherrschen kann er die Natur jedoch nicht. Es ist ein Lob auf die ungezähmte Natur und die Schönheit ihrer Geschöpfe. 

Rudyard Kipling: Toomai, der Liebling der Elefanten. Mit 19 Farbholzschnitten, davon 4 doppelseitigen, von Hanfried Wendland. Berlin, Neue Kleider Drucke, 2012, 72 S., Format 38 x 30,5 cm - Gedruckt von Peter Renschs Andante Presse auf 230 g Alt-Lünen-Bütten,  Handeinband von Christian Klünder, Berlin.
Die Normalausgabe umfasst 15 Exemplare im Halbleineneinband mit Schuber und kostet EUR 670.-.
Die Vorzugsausgabe umfasst 7 Exemplare im Halbledereinband, ebenfalls mit Schuber, mit 2 zusätzlichen Farbholzschnitten sowie einer handkolorierten Original-Druckplatte in einer separaten Mappe. Der Preis hierfür beträgt EUR 890.-

Anfrage und Bestellungen an contact@galerie-joy.de 

Eine Leseempfehlung

Das ist ein Buch zum Lesen u

Kettelhake, Silke: Renée Sintenis : Berlin, Boheme und Ringelnatz. Berlin : Osburg, 2010. 477 S. 

Schicksale zwischen 1914 und kaltem Krieg schildert dieses Buch. Von den Auktionen moderner Kunst kennt man ihre zierlichen Tierplastiken. Über die Künstlerin weiss man nicht so viel. Renée, eigentlich Renate, Sintenis, Nachfahrin von Hugenotten, die Saint-Denis hiessen, gehörte in den 20-er Jahren zur Berliner High-Society. Sie war eine der am meisten photographierten Frauen ihrer Zeit. 

Der Autorin gelingt ein fesselndes und erschütterndes Lesebuch, denn sie beschränkt sich nicht auf die Hauptfigur. Auch die Schicksale der Freunde und Weggenossen werden verfolgt – bis zu ihrem jeweiligen bitteren Ende: Ringelnatz, E. R. Weiss, Hans Siemsen, Flechtheim und viele andere. 

Zeugnisse zur Person werden in ihrem politischen Kontext erläutert. Wer meint, zu wissen, wie die Nazis gemordet haben, sollte dieses Buch trotzdem lesen. Erschreckend, wie die Ausgrenzung der Juden und wen man dafür hielt mit bürokratischer Selbstverständlichkeit umgesetzt wurde, so dass der industriell betriebene Massenmord die Konsequenz daraus war. Als sogenannte Halbjüdin überlebte Renée Sintenis im Berlin der alliierten Bombardements. Von ihrer inneren Emigration erholte sie sich nicht mehr. „Überall Nazis“, schreibt sie über das West-Berlin der Nachkriegsjahre. Ihr Freund Hans Siemsen, der im Exil sein Leben gerettet hatten, war, wie viele andere auch, gezeichnet für die Rest seiner Tage. Nie mehr konnte sie an den Ruhm von vor 1933 anknüpfen. Einsam und ohne Hoffnung verbrachte sie die Jahre von der Machtergreifung Hitlers  bis zu ihrem Tode 1965 in Berlin. Ihre Freunde sind tot oder die Verbindung ist abgerissen. Nur an Anita Warncke auf Sylt schreibt sie Briefe bis 1950. Dann geht auch dieses Fenster zur Aussenwelt zu. 

Man wünscht sich viele Fortsetzungen zu diesem Buch, denn von vielen Personen, die erwähnt werden und deren Schicksale nicht weiter ausgebreitet werden, wüsste man gerne mehr.